Endspurt
October 27, 2008 at 6:33 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a CommentNach langer Zeit des Nichtschreibens, haben mich nun einige Freunde und Familienmitglieder dazu bewegt doch mal wieder von Neuigkeiten aus Tegucigalpa zu berichten.
Mittlerweile sind wir im Oktober und uns bleiben noch ca. 3 Monate bis zur Rueckkehr nach Europa.
Der Oktober hat bisher viel Regen und auch schon einige Hurricane-Warnungen gebracht. In unserem Webbrowser haben wir z.Zt. die Seite des National Hurricane Centers als erstes Lesezeichen um immer up to date zu sein. Der Rio Choluteca, der durch Tegus fliesst ist schon ein paar mal ueber die Ufer getreten und hat erste Menschenleben gefordert. Trotzdem ist es tagsueber meisst untertraeglich heiss und sonnig.
In der Politik von Honduras hat sich auch etwas getan. Ein Abkommen mit dem linksregierten Venezulea um in wirtschaftlichen und sozialen Fragen enger zusammenarbeiten ist nun endlich unterzeichnet. Dies ist bei rechten Politikern und in Unternehmerkreisen auf heftigen wiederstand gestossen. Dabei werden in den Mainstream-Medien mit nicht nachvollziehbaren Argumenten gearbeitet um fuer den Wiederstand gegen dieses Abkommen zu werben.
Die Mehrheit der Bevoelkerung Honduras’ ist aber fuer die Annaehrung an Hugo Chavez’ Sozialismus des 21. Jahrhunderts, solang es dem Land und der Mehrheit der Menschen nutzt.
Was uns und unsere Mission anbelangt hat sich einiges veraendert.
Wir arbeiten nun nur noch ein bis zweimal pro Woche in dem Heim Las Flores mit den Maedchen. Den Rest der Zeit widmen wir uns der Erarbeitung eines Faltblattes, dass die Bevoelkerung in Randbezirken und Armenvierteln der Statd ueber ihre Rechte informiert und darueber wie und wo sie diese Rechte einfordern koennen.
Konkret heisst das, dass wir oeffentliche Einrichtungen besuchen um detaillierte Informationen ueber deren Funktionsweise zu erfahren, diese Infos auswerten, selektieren und dann gebuendelt und in einfach verstaendlicher Weise zu einem Faltblatt verarbeiten. Darueber hinaus werden wir einige kurze Workshops zu diesem Faltblatt organisieren und durchfuehren um Lehrer, Sozialarbeiter, etc. von der Notwendigkeit einer Aufklaerarbeit im Bereich Buergerrechte zu ueberzeugen.
Hoert sich interessant an und ist es eigentlich auch. Traurigerweise interessiert sich kein Mensch in userer Organisation dafuer, weshalb wir diese Arbeit in Zusammenarbeit mit einer anderen NRO machen und eigentlich auch in deren Interesse. Trotzdem ist unsere Motivation eher nachlaessig und so sehnen wir uns z.Zt. nach dem Ende unserer Mission.
Im Heim selber geht es drunter und drueber. Zwei der vier Erzieherinnen haben ende September gekuendigt und die Organisation hat es bisher nicht geschafft neues Personal einzustellen (heute ist der 10.Oktober). Genauso sieht es mit dem Choffeur aus, weshalb 5 der Maedchen seit 2 Wochen nicht zu Schule gehen, und das zum Ende des Schuljahres, wo Klassenarbeiten anstehen.
An Samstagen gehen wir meisstens immernoch zur Kirche in Nueva Suyapa um unter anderem auch dadurch zu neuen Kraeften fuer die kommende Woche zu kommen. An Sonntagen gehen wir mit den Leuten von ATD Vierte Welt in das Barrio la Bolsa um Strassenbibliotek zu veranstalten und ab und zu gehen wir im Sabor Cubano Salsatanzen.
Auch treffen wir uns oeffters mit einigen Freunden um essen zu gehen oder zu Hause zu sitzen und ueber Gott und die Welt zu reden.
So ist unser Leben hier im Grossen und Ganzen routiene, wie sonstwo auch. Wir geniessen es aber.
Bis bald.
Neues aus Tegucigalpa
June 15, 2008 at 2:52 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a CommentDie Regenzeit hat begonnen und das Wetter ist etwas kuehler geworden. Endlich! Wir hatten jetzt fast 5 Monate keinen Regen, der die Luft saeubert, den Staub von den Strassen spuelt, die Fluesse und Baeche fuellt, die Pflanzen erbluehen laesst und einfach mal kuehle in die Hitze bringt. Wohltuend und erfrischen empfinde ich es. Noch. Denn die Regenzeit dauert bis anfang Dezember und matschige oder ueberschwemmte Strassen werden zur Normalitaet. Und auch der Verkehr wird meist schon nach den ersten Regentropfen zu einem noch schlimmeren Caos. Dann fahren haufig Autos ineinander deren Reifen aalglatt sind und deren Scheibenwischer nur dekorative Funktion haben. Auch sind die Fahrer normalerweise nicht nach Deutschen Standards geprueft worden und so fuehrt das eine zum anderen. Dem perfekten Caos!
Ich habe letzte Woche endlich meinen Honduranischen Fuhrerschein gemacht, bzw. Gekauft.
Nachdem ich schon mehrere Male von der Polizei angehalten wurde und immer nur meinen Deutschen Fuhrerschein vorweisen konnte (mein Internationaler Fuehrerschein ist schon vor der Abreise irgendwo im Haus von Claire’s Eltern untergegangen) habe ich mich entschlossen den lokalen „Lappen“ zu machen.
Mann hatte mir gesagt, dass das ca. 150 Lempiras (5 Euro) kostet und ich eine ca. 10 minuetige praktische Pruefung ablegen muss. Vor Ort erwies sich die Angelegenheit aber noch viel leichter. Vorsorglich habe ich eine Freundin mitgenommen, die Polizistin ist und laut eigener Aussage sehr viele Beamte der Fuhrerscheinstelle kennt.
So haben wir meinen Deutschen Fuehrerschein kurz einem ihrer Bekannten gezeigt (der natuerlich nichts davon lesen konnte was auf meinen Fuehrerschein steht) und schon stand fest, dass ich keine Pruefung machen muss, sondern nur einem Sehtest unterzogen werden muesse und meine Blutgruppe festgestellt werden solle (alle waren ganz baff, dass die Blutgruppe nicht auf dem Deutschen Fuehrerschein steht). Der Arzt der mich untersuchen sollte, hat dann kurz mein Herz abgehoert, meinen Blutdruck gemessen und einige Fragen zu meiner Taetigkeit gestellt, dann aber vergessen den eigentlichen Sehtest zu machen. Aber macht nichts, meine Augen sind ja immer schom sehr gut gewesen. Kurz noch ein Foto abgegeben, Fingerabdruecke abnehmen lassen und 150 Lps. bezahlt und mein Fuhrerschein war ausgestellt.
Trifft sich ganz gut, da ich seit nun schon eineinhalb Wochen als Fahrer fuer das Internat Las Flores taetig bin. Da dem vorherigen Fahrer andere Aufgaben zugewiesen wurden und die Suche nach einem neuen Choffeur dauern kann uebernehme ich z.Zt. diese Arbeit. Und mir ist es ganz recht ein bischen Abstand von den Maedchn nehmen zu koennen. Und obwohl ich wegen des Fahrens ca. 11 Stunden am Tag arbeite, bin ich weniger muede als wenn ich 8 Stunden mit den Maedchen arbeite. Fast wir Urlaub eben. Bis bald.
Honduras im Dezember (Vorweihnachtszeit)
January 14, 2008 at 2:33 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a CommentDer Dezember ist auch in Honduras von Weihnachtsstimmung gepraegt. In jedem Laden findet man Plastiktannenbaeume, Plastikschneemaenner, Plastikadvendskraenze, Lichterketten made in China, die laut Spiegelbericht bis zu 160 Grad heiss werden und deren Kabel zu viel Blei enthalten, und haufenweise anderer Kitsch, den eigentlich kein Mensch brauchen kann. In einigen grossen Kaufhaeusern findet man Santa Claus in seinem zeitlosen roten Nordpol-Outfit, schwitzend „hoooo hoooo hoooo“ rufen.
Trotz, oder vielleicht auch wegen all dem ist es etwas schwierig fuer uns, uns in Stimmung zu versetzen. Gluecklicherweise haben wir uns schon seit einiger Zeit in eine sehr nette Katolische Gemeinde integriert, bei deren Samstagsmesse um 7 Uhr Abends dann doch von Dingen wie Advend, die wirkliche Bedeutung von Weihnachten, etc. gesprochen wird.
Da es nach der Messe schon dunkel ist und meisst auch etwas kuehl wird vor der Kirche heisser Zitronengrass-Tee serviert, in dem ein spezielles Gebaeck schwimmt. Die Leute stehen dann in kleinen Gruppen und unterhalten sich. Die vier Nonnen, die im zur Kirche gehoerigenden Kloster leben begruessen die Kirchgaenger und reden ueber anstehende Projekte mit Jugendlichen und Kindern.
In dem Kloster sind wir seid einiger Zeit regelmaessige Gaeste, die ueber Nacht bleiben, zu Mittag essen und bis spaet in am Abend mit den Nonnen dikutieren. Da die Gegend der Gemeinde relativ „gefaehrlich“ ist, koenne wir theoretisch nach der Messe nicht mehr nach Hause fahren. Woanders zu schlafen ist fuer uns eine nette Abwechslung und die Nonnen freuen sich ueber die Gesellschaft von einem verheirateten Paerchen, die darueberhinaus auch noch „katholische Missionaere“ und Voluntaere sind und mit Kindern arbeiten. Wir haben viel zu bereden, denn auch Nonnen koennen ein sehr interessantes Leben haben.
Strassenbibliothek am Sonntagmorgen
Am naechsten Tag im Barrio Nueva Suyapa (wo wir uebernachtet haben) im Osten der Stadt treffen wir uns dann mit einer Gruppe junger Leute die die „Bewegung ATD Vierte Welt“ formen. In drei kleine Gruppen aufgeteilt gehen sie jeden Sonntagmorgen seit ca. 10 Jahren in 3 der aermsten Viertel Tegucigalpas um dort mit den Kindern und Jugendlichen Geschichten zu lesen, Gruppenspiele zu spielen oder zu basteln. Viele der Kinder dort gehen weder zur Schule noch koennen ihnen ihre Eltern etwas beibringen oder mit ihnen spielen. Die Gruende dafeur liegen meisst in der sozio-oekonomischen Lage in der die Familien leben.
Das bemerkenswerte ist, dass 95 % der Mitglieder von „ATD Vierte Welt“ selbst aus sehr armen Verhaeltnissen stammen, in den selben Vierteln leben, in die wir am Sonntagmorgen gehen und erst durch deren eigene Hilfe der extremen Armut entkommen konnten. Wir sind mittlerweise fester Bestandteil dieser Gruppe und fuehlen uns sehr wohl.
Im Privatclub der Zentralamerikanischen Bank
September 3, 2007 at 1:14 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a CommentIn Honduras’ Hauptstadt Tegucigalpa gibt es nicht viele oeffentliche Orte an denen sich wohlhabende oder reiche Menschen in Ruhe und ohne Sorgen und Angst auf die faule Haut legen, schwimmen gehen und ihre Kinder spielen lassen koennen. Um dennoch ab und zu ein sorgenfreies Wochenende verbringen zu koennen, werden von Managern der Banken, Verischerungen und Firmen Exclusivclubs gegruendet zu denen dann nur die Manager selbst und deren Angehoerige Zutritt haben. Jede Bank und grosse Firma hat einen eignen Club.
Der Cousin eines guten Freundes von uns hat solch ein Privileg und hat uns vor einigen Wochen dorthin eingeladen. Eine Oase in Tegucigalpa mit Pool, Sauna, Restaurant, Sportfacilitaeten wie Tennisplatz, Fitnessraum, etc. Kinder spielen im Wasser, die Eltern fruehstucken relaxt, es toent gediegene Musik aus den Lautsprechern (eine Wohltat fuer von Reggeton vergewaltigte Ohren) und der Service der freundlichen Kellner ist perfekt. Man vergisst dass man in Honduras ist wo fast die Haelfte der Bevoelkerung taeglich ums Ueberleben kaempft.
Nur wer einen gezielten Blick ueber die hohen Mauern wirft, die den Club umgeben und schuetzen sollen, wird wieder in die Realitaet des Landes zurueckgeholt. Am Rande einer Schnellstrasse leben Familen in Huetten aus Holzlatten und Wellblech ohne laufendes Wasser und Kanalisation und einem wahrscheinlich illegal angezapften Stromanschluss.
Ich aber Schiesse meine Fotos, loesche die gesehenen Bilder aus meinem Kopf, bzw. ignoriere sie, um weiterhin den sonnigen Nachmittag geniessen zu koennen und gehe zurueck an unseren Tisch wo der nette Kellner gerade unser Mittagessen serviert. Danach entschliessen wir uns nochmal in den Pool zu springen und legen uns zur Siesta in den Schatten.
Das Leben ist schoen…zumindest das Unsere. (siehe Fotos)
P.S.: Nach Lesen dieses Berichts koennte man ggf. annehmen, dass ich Schuldgefuhle der Armut und Ungerechtigkeit wegen habe und deshalb mein Leben hier nicht geniessen kann. Ich kann euch beruhigen. Dies ist nicht der Fall. Mein ironischer Ton soll einfach zum Nachdenken anregen und ggf. sogar dazu bewegen zu handeln. Peace.
Unsere Maedchen beim Auftritt im Nationalteater
September 3, 2007 at 1:13 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a CommentAnfang August hatten unsere 20 Maedchen einen Grossartigen Auftritt im Nationalteater namens Manuel Bonilla. Organisiert wurde das Ganze von einem Franzoesischen Dirigent, der schon im vergangenen Jahr mit dem Honduranischen Jugendorchester ein klassisches Konzert zustande brachte. Dieses Jahr sollten auch unsere Maedchen an dem Spektakel teilnehmen und sangen dabei die Nationalhymne Honduras’ und die Hymne der Kinder, komponiert von dem franzoesischen Dirigent. Unser kleinstes Maedchen assistierte dabei dem Dirigenten und dirigierte sogar alleine vor dem grossen Puplikum. Ein toller Anblick und eine super Erfahrung fuer die Kleine. Unsere Maedchen praesentierten sich Stolz in vollem Glanze in neuen Kleidern und Schuhen und hatten einen wundervollen Abend an einem fuer sie doch so aussergewoehnlichen Ort. (siehe Fotos)
Gesundheit
September 3, 2007 at 1:11 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a CommentWie die meisten von euch mitbekommen haben wurde mir ende Juli der Blinddarm entfernt. Mit starken Schmerzen bin ich die 10 Minuten zur Privatklinik Viera zu Fuss gelaufen. In meinen Vorstellungen hatte ich immer noch das öffentliche Krankenhaus in Erinnerung in dem ein Mädchen des Internats operiert wurde. Wie in einem vorherigen Bericht beschrieben, herrschen dort Chaos und unhygienische Zustände. Natürlich hatte man mir erzählt, dass es in Honduras’ Privatkrankenhäusern sehr viel besser zugeht.
Nach der ersten Untersuchung und einer Anzahlung von ca. 400 Euro für die anstehende OP hatte man mich sogleich auf der Notstation behalten und gesagt, dass ich in den nächsten 3 Stunden operiert werde. Ich hatte Zeit mich um zuschauen. Mein erster Eindruck der Klinik war sehr gut und geordnet. Wollte aber erst den OP Raum und die Ärzte sehen bevor ich Lob ausspreche. Der Chirurg der mich operieren sollte hies Dr. Palacios und erweckte Vertrauen in mir. Er erklärte mir sein Vorhaben genaustes und stellte sich für mich auch nach der OP rund um die Uhr zur Verfügung. Hey, dachte ich, dass ist ja ein Service.
Zwei Stunden später wurde ich dann in meinem Bett in den OP Saal gefahren, wo ich auch wieder positiv überrascht wurde. Nichts erinnerte an das öffentliche Krankenhaus. Der Anästhesist erklärte mir mit derselben Ausführlichkeit wie Dr. Palacios, was er in einigen Minuten mit mir anstellen werde. Ich wurde an einige Monitore angeschlossen, der Anästhesist gab mir das Schlafmittel und…gute Nacht.
Eine Stunde später wachte ich auf und wurde in mein Einzelzimmer gebracht. Alles von gewohnter Deutscher Qualität und Sauberkeit und ein komfortableres Bett hätte ich mir nicht vorstellen können. Claire hatte draussen auf mich gewartet und empfing mich mit einem Freund von uns und dessen Vater. Von den Krankenschwestern wurde mir Wasser und eine Infusion gebracht und schnell verging der Abend. Noch um 20.30 Uhr kam Dr. Palacios bei mir vorbei um zu schauen ob alles in Ordnung ist. Vor dem Einschlafen habe ich noch kurz den Fernseher angeschaltet und die über 100 Kanäle des Satelliten durchgezappt. Nach einer Folge Friends und Emergency Room bin ich dann gemütlich eingeschlafen.
Gleich am frühen Morgen um 7.30 Uhr kam der Doktor wieder bei mir vorbei um nach nach dem Rechten zu sehen. er sagte mir, dass ich noch am gleichen Tag nach Hause könne und bestätigte mir von Neuem, dass ich ihn rund um die Uhr kontaktieren könne, fall sich Komplikationen bei der Heilung ergeben. Um 9.00 klopfte es wieder an der Tür. Ich war gerade dabei meine Sachen zu packen, als ein anderer Arzt im Geleit von einem älteren Herren der sich als Direktor der Klinik vorstellte. Sie fragten mich wie es mir gehe, ob alles zu meiner Zufriedenheit war, etc. Wieder dachte ich, wow…was für eine Betreuung. In den ca. 24 Stunden in der Klinik Viera habe ich mich besser Betreut gefühlt als in irgendeinem anderen Krankenhaus in Deutschland (und ich habe schon in einigen Krankenhäusern viele Tage verbracht).
Kurz darauf wurde ich von einer Krankenschwester zur Administration geführt, an der kein Patient vorbeikommt. Mir wurden mehrere Rechnungen zur Unterschrift vorgelegt in denen alle Kosten detailliert aufgelistet sind. So wurden mir von meiner Kreditkarte z.B. ca. 500 Euro nur für den einstündigen Eingriff von Dr. Palacios abgebucht. Insgesamt belief sich meine Rechnung auf rund 1900 Euro. Jetzt wurde mir klar warum der Service so gut war!!! Eine unglaubliche Summe für Deutsche Gemüter, die Ihre Arzt- und Krankenhausrechnungen so gut wie nie zu Gesicht bekommen (ausgenommen sind natürlich die Privatversicherten).
Unglaublich vor allem aber im Verhältnis zu den allgemeinen Lebensbedingungen und Durchschnittseinkommen in Honduras. Solch einen Luxus wie saubere OP Betten, Krankenschwestern, Betreuung, etc. können sich hier vielleicht nur 20 % der Menschen leisten. Laut „The World Factbook“ leben 53 % der Honduraner unter der Armutsgrenze (arm ist jemand der höchstens 2 Dollar am Tag verdient). Das Durchschnittseinkommen liegt hier bei ca. 250 Dollar im Monat und Versicherungspflicht oder eine Sozialhilfe besteht nicht, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass arme Menschen hier durchaus an einer Blinddarmentzündung sterben können.
Ich habe aber Glück und wurde in Europa geboren, habe eine gute Auslandskrankenversicherung, bin ohne Konkurs anmelden zu müssen professionell operiert worden und bin wieder bei voller Gesundheit, „Gracias a Dios“, wie man hier so schön sagt.
Verbesserungen auf der Arbeit
July 12, 2007 at 1:49 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a Comment7. Juli 2007
In der vergangenen Woche hat sich endlich etwas getan im Hinblick auf die eher schlechte Zusammenarbeit in dem Internat in dem wir arbeiten. Es hat eine neue Erzieherin ihren Dienst aufgenommen, die Lehrerin ist und viele Jahre an Erfahrung mitbringt. Sie hat dass, was man in diesem Job braucht: Amor y Control (Liebe und Strenge). Mir ihr haben wir uns schon viel ausgetauscht und endlich haben wir angefangen mit diesem neuen Team teagliche Meetings abzuhalten und uns gegenseitig ueber den Zustand der Maedchen zu informieren. Auch eine zweite neue Mitarbeiterin hat vor drei Wochen angefangen mit uns zu arbeiten. Sie ist noch relativ jung und hat wenig Erfahrung, zeigt aber den Willen zu lernen und kommt aus der Gegend was sehr von Vorteil ist, da eigentlich keine oeffentliche Verkehrsanbindung in des Viertel besteht.
Geografische Lage des Internats und das Viertel
Dazu ein kurzer Einschub zur geografischen Lage des Internats Las Flores: Das Internat befindet sich in einem armen aber relativ sicheren Viertel am nord-westlichen Rande von Tegucigalpa. Hier gab es bis vor wenigen Jahren keinen Strom. Muellabfuhr, laufendes Wasser und eine geteerte Strasse gibt es bis heute nicht und es faehrt nur ein Bus (nicht zu verwechseln mit einer Buslinie, da es sich wirklich nur um EINEN Bus handelt).
Es fliesst ein kleiner Bach durch das Viertel, in welchem die Anwohner ihre Waesche waschen. Bei starkem Regefall verwalndelt dieser Bach sich schonmal in einen reissenden Strom und die Erdstrasse in eine loechrige und von Furchen durchzogene Piste. Unser Nissan-Kleinbus hat dann oft muehe den Huegel zur geteerten Strasse zu erklimmen. Alle paar Tage aber in unregelmaessigem Abstand kommt ein Wassertankwagen vorbei und verteilt an die Leute Wasser aus dem Schlauch, trinken kann man dieses Wasser aber nicht. Dieses muss in Fuenf-Gallonenfaessern gekauft werden oder man muss mit Parasieten aller Art in seinem Magen rechnen. In dem Viertel gibt es einige kleine Geschaefte, ansonsten aber wahrscheinlich mehr Arbeitslose als Beschaeftigte. Ab und zu zieht eine Herde mit Kuehen oder eine Eselkaravane mit Holz vorbei, wobei man sich dann eher auf dem Lande fuehlt als in einem Viertel der Hauptstadt von Honduras (was allerdings auch nicht wirklich viel heisen mag, ich mein hey, Hauptstadt von Honduras).
Auf dem Weg zur Schule
Mittlerweile kennen mich die Leute in dem Viertel, da ich jeden Tag die Maedchen zur Schule bringe, was keine leichte Aufgabe ist, vor allem wenn mehrere Maedchen sich weigern den Weg dorthin zu laufen. Dann gibt es immer ein bischen Stress und ich muss laut werden oder manchmal mit einem der heulenden Maedchen unter den Arm geklemmt den Huegel hinauflaufen. Nicht einfach! Wie auch immer: oft gibt es von den Muettern die auch ihre Kinder zur Schule bringen und die mich kennen ein anerkennendes: “Ach diese Meadchen, stoerrischer als Esel. Sie haben aber echt Gedult, etc.” zu hoeren.
Letztens hat mich die Besitzerin (eine alte Frau) des kleinen Ladens, welcher sich auf der gegenueber liegenden Seite der Schule befindet gefragt: “Sie sind doch jung und gebiltet, warum suchen Sie sich nicht einen besseren Job?”. Eine berechtigte Frage Senora, natuerlich. Ich habe ihr dann aber erklaert, dass ich nicht hier arbeite um Geld zu verdienen, dass ich als Freiwilliger hier bin und wegen meiner Ueberzeugung den Kindern hier zu helfen. Dass ich, zusammen mit meiner Frau von der Katholischen Kirche hierher geschickt wurde und dass wir hier sozusagen die biblische Naechstenliebe leben. Dass hat natuerlich Eindruck gemacht, bei einer alten Honduranerin.
Mit den Maedchen beim Arzt
Vor einer Woche war ich mit vier Kindern in dem Gesundheitszentrum des Viertels. Die Maechen hatten Fieber, Gelenkschmerzen, Kopfweh, etc. Nur eine Grippe oder Dengue Fieber (aehnlich der Malaria)? Wie auch immer. Ab zum Doktor, der auch gleich einige Antibiotika und andere Tabletten verschreibt und ankuendigt jedem der Maedchen eine Spritze zu geben. Die Augen der vier wurden sofort groesser und sie waren ploetzlich gar mehr so krank. Ihrer Meinung nach war eine Spritze ueberhaupt nicht notwendig. Der Herr Doktor hatte aber natuerlich das letzte Wort. Wir mussten uns nur ein wenig gedulden und in dem, von jungn Muettern mit ihren schreienden Kindern auf dem Arm gefuellten Warteraum platznehmen.
In dem Behandlungszimmer gingen Leute ein und aus wie in einem Supermarkt. Privatsphere glich Null. Behandelt wurde immer mit mindestens drei fremden Leuten im Raum und ab und zu schaute ein humpelder und abgemagerter Hund hinein, so als ob auch er den Herrn Doktor aufsuchen wuerde um sein Bein zu richten. Ich habe mit den Maedchen Witze ueber den humpelden Koeter gemacht und schon war die Angst vor den Spritzen halbiert. Dann kam endlich der Arzt um meine Maedels zu behandeln. Kurz die Haendchen gehalten und ueber den Traumurlaub der Maedchen geredet und fertig. Keine weiteren Zwischenfaelle. Ab nach Hause und einen Eukalyptustee aus frischen Blaettern zubereitet, die wir nur vom Baum auf dem Grundstueck pfluecken mussten.
Was die Flora in dem Centro Las Flores anbelangt sind wir gut bestueckt: Es wachsen Mangos, Zitronen, Orangen, Kokusnuesse, Ciruela (keine Ahnung ob es diese Freuchte ueberhaubt in Europa gibt), Eukalyptus und andere Pflanzen die schoene Blueten hervorbringen. Ein kleines Paradies (siehe Fotos von dem Centro Las Flores)
Geburtenrate und Machotum
Es ist unglaublich wie oft man hier schwangere Frauen sieht. Hier hat jede Frau durchschnittlich vier Kinder! Oft sind sie noch sehr jung und noch oefter ohne Mann. Ein lateinamerikanisches Paradox: Streng Katholisch (kein Sex vor der Ehe, etc.) gleichzeitig aber der Machotum, der es verlangt so viele Liebhaberinnen wie moeglich zu haben, egal ob er oder sie Verheiratet ist oder nicht. Die Frauen sind ueberwiegend unmanzipiert (wenn man dass so sagt) und ob Mann oder Frau mit wenig Wissen ueber die Sexualitaet generell. Diese Mischung gepaart mit wenig Bildung, fuehrt zu jeder Menge ungewollter Schwangerschaften. Da die Abtreibung hier immernoch verboten ist und die wenigsten Machos verantwortungsbewusst genug sind um fuer ihre Fehler einzustehen, bleiben viel zu viele Muetter mit ihren Kindern allein.
Da es hier, wie leider in den meisten Laender dieser Welt kein Kindergeld, Arbeitslosengeld, oder sonstige finanziellen Hilfen gibt, bleibt den meissten nichts anderes uebrig als ihre Kinder von ihren Muettern erziehen zu lassen um Arbeiten zu gehen oder ab einem bestimmten Alter sich selber zu ueberlassen. Dies fuehrt dann dazu, dass viele Kinder auf der Strasse landen, klauen und rauben um zu ueberleben und sich letztendlich den Jugendbanden anschliessen, die im grossen Stiel am Drogen- Waffen- oder Menschenhandel beteiligt sind und das groesste Sicherheitsproblem in Zentralamerika darstellen. Einige wenige der Jugendlichen oder Kinder kommen in Heime wie unseres. Wenigstens etwas, wenn auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Wie gesagt, die Wurzel des Problems liegt woanders.
Aktuelle Lage
July 12, 2007 at 1:42 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a CommentWir sind jetzt seit 5 Monaten in Honduras. Es ist schon ein bischen her als ich das letzte mal Bericht erstattet habe. Im Gegensatz zu Claire, die immer fleissig am Umprogramieren und Erweitern der Webseite ist.
Seit dem haben wir hier viele Veraenderungen durchlebt, auf der Arbeit und im Sozialleben. Eher negative Veraenderungen haben wir auf der Arbeit erfahren und sehr positive im Sozialleben.
Beginnen wir mit der Arbeit…denn wie heist es so schoen: Zuerst die Arbeit, dann das Vergnuegen.
Das Zentrum in dem wir arbeiten, da sind sich alle Beteiligten einig, braucht eine tiefgreifende Umstrukturierung, bzw. Strukturierung. Seit dem wir im Februar angefangen haben dort zu arbeiten haben wir schon mehrere Versuche unternommen den Maedchen ein strukturiertes Leben zu bieten. Das heist einen Stundenplan einrichten, Aktivitaeten organisieren, ein System fuer das Management der Schuluniformen finden, etc. Um all dies durchsetzen zu koennen, braucht man ein gutes Team, in dem man sich regelmaessig austauscht und sich gegenseitig unterstuetzt. Ein Team zu formen ist aber nicht so einfach, speziell wenn das Personal im Schnitt nur ca. 6 bis 8 Monate dabei bleibt. Wir arbeiten seit 5 Monaten im Centro Las Flores und sind diejenigen, die am laengsten dabei sind. Unglaublich oder? Zumal wenn man bedenkt dass dieses Projekt schon seit 5 Jahren laeuft.
Zu viele Details will ich euch ersparen. Doch dass Claire und ich im gesamten Monat Juni tagsueber alleine mit 25 Maedchen waren und nicht einmal eine Koechin zur Verfuegung stand muss ich dennoch mitteilen. Mit anderen Worten: Zum 31.05 wurde saemtliches Tagespersonal gekuendigt (angeblich aus finanziellen Gruenden) und erst zum Juli wurde neues eingestellt. Waeren wir nicht da gewesen, haette das Zentrum schliessen muessen. Die Stimmung bei den Maedchen war dementsprechend schlecht. Fuer sie ist der staendige Personalwechsel sehr belastend. Wenn eine Erzieherin geht, mit der sich die Maedchen das Vertrauen erarbeitet haben, ist es fuer sie so als ob sie wieder einmal verlassen werden, nachdem sie schon von ihren Familien im Stich gelassen wurden.
Das Ergebnis war fast vorauszusehen: nachdem es anfang des Monats zwei kurze (fuer ca. eine Stunde) Ausreisveruche von mehreren Maedchen gab, sind nun letzte Woche Montag (seit nun schon einer Woche) drei Maedchen spurlos verschwunden. Abgehauen, Ausgerissen. Anfangs waren es vier, eine der Ausreiserinnen haben wir aber am naechsten Tag wieder gefunden. Wir suchen seitdem ab und zu in der Umgebung nach den drei Maedchen , fragen Leute und kloppfen an Tueren, haben aber bisher nur einige wage Tipps bekommen. Bei diesen Maedchen handelt es sich um die drei aeltesten (13 Jahre alt) und es war offensichtlich, dass es ihnen in unserem Zentrum nicht wirklich gut ging. Wir sind spezialisiert auf Maedchen im Alter zwichen 6 und 10 Jahren. Im Stadium der Pubataet brauchen Kinder aber ein ganz anderes Programm und ganz andere Aufmerksamkeit.
Wie dem auch sei, etwas gutes hat das ganze dennoch. Endlich merken die Verantwortlichen dieses Projektes, dass eine Struktur vollkommen vermisst wird. Dass das Zentrum unmengen von Material (einen Riesenfernseher mit DVD/ VHS Combo Player, 5 gut funktionierende Computer, 7 neue Naehmaschienen, einen Schoenheitslalon mit allem pi pa po, viel Spielzeug, 2 Kickertische, eine Tischtennisplatte, 2 Gitarren, 2 Violienen, 2 Chellos, einen Kontrabass, ein komplettes Schlagzeug, 4 Fahrraeder, …) , aber nicht genug qualifiziertes Personal hat. Dass nicht im Team gearbeitet wird und dass wir jeden Tag nur Feurer loeschen anstatt zu verhindern, dass die Feuer ueberhaupt entstehen.
Unsere Arbeit
March 12, 2007 at 4:35 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | 1 Comment26.03.2007
Der Dienstag verlief dann alles andere als ruhig. Ausgelaugt von der kurzen Nacht habe ich dann mehr schlecht als recht mit einigen Maedchen die Hausaufgaben erledigt und schnell die Uniformen zusammengesucht, was wieder einmal eine aufreibende Sache war. Da die Koechin an diesem Morgen mit dem Administartor das Menu fuer die Woche ausarbeiten musste, damit die benoetigten Waren eingekauft werden koennen blieb ihr nicht genug Zeit um bis 11 h das Mittagessen auf den Tisch zu bringen. So bin ich erst um 12 h mit den Maedchen zur Schule gegangen, die am Nachmittag Unterricht haben, und normalerweise um 12 h beginnen. Verschwitzt und eine halbe Stunde zu spaet in der Schule angekommen weigern sich meine Maedchen alleine in die Klassenraeume zu gehen, weil sie Angst vor dem Aerger der Lehrerin haben. Sie fordern mich also auf mit reinzukommen um eine Entschuldiging abzuliefern. Gesagt getan, ist doch kein Problem fuer mich, doch dann fangen zwei der Lehrerinnen an mich mit den Problemen der Maedchen vertraut zu machen. Hausaufgaben werden garnicht oder nur zur haelfte gemacht, die Uniform ist oft schmutzig (normalerweise ein Grund um die Maedchen wieder nach hause zu schicken), es fehlen immernoch die Schulembleme auf den Uniformen. Dieses Emblem muss fuer 8 Lempiras von den Schuelern gekauft und auf den Aermel des Hemdes genaeht werden. Fuer einen Schueler kein Problem, bei 15 Uniformen und einer Organisation wie in unserem Zentrum eine Monsteraufgabe. Wie dem auch sei. Ich habe den Lehrerinnen versichert, dass wir hart an der Verbesserung der Situation arbeiten und um Aufschub wegen der Embleme gebeten. Meiner charmanten Art konnten selbst strenge Lehrerinnen nichts entgegensetzen und meinten auf meine Bitte hin: “ Ok, diese Woche noch akzeptieren wir die Maedchen ohne ordnungsgemaesse Uniform, naechste Woche werden aber Schueler ohne Emblem wieder nach Hause geschickt.” Danke Frau Lehrerin!
Zuruck im Zentrum ist die Psychologin grade dabei mit einer unserer Problemfaelle die Arbeit aufzunehmen. Dazu provoziert sie gezielt die “Patientin” aka Milagros, 14 Jahre alt, um ihre Grenzen zu testen. Als die Situation dann aber ausser Kontrolle zu geraten droht wird von der Psychologin die Polizei geholt (in dem Zentrum haben wir permanent mindestens eine Polizistin zum Schutz des Gelaendes und um in solchen Situationen dem Personal zu helfen). Diese soll Milagros in das sogenannte “Zimmer zur Reflektion” (eigentlich eine Einzelzelle) bringen um sich zu beruhigen. Milagros laesst sich aber nichtmal von einer Polizistin dazu bringen und so rennt sie auf ein Fenster zu um es durch Fausthiebe zu zerschlagen. Ich stehe zwar gleich daneben, reagiere aber nicht schnell genug um sie davon abzuhalten beim zweiten hieb wirklich das Fenter zu zerstoeren un sich dabei tiefe Schnittwunden an beiden Armen zuzuziehen. Ich kann sie gerade noch wegziehen als sie heftig anfaengt zu bluten. Beim zweiten Blick sehe ich fingerlange Schnittwunden, einige bis zu den Knochen. Schnelles handeln war hier gefragt, Kleidungsstuecke wurden herangebracht und auf die Wunden gepresst, Milagros mit mir und Lisett in den Minibus verfrachtet und mit Jose-Luis am Steuer ins Krankenhaus gefahren. Das Krankenhaus ist ca. 20 min von unserem Zentrum entfernt. Hupend rasen wir so durch die Stadt, bleiben aber dann in einem kurzen aber nervenaufreibenden Stau stecken. Milagros wird Ohnmaechtig. Sie hat viel Blut verloren. Wir fuehlen ihren Puls. Alles in Ordnung! Noch atmet sie. Komischerweise bin ich die Ruhe in Person. Habe mich immer gefragt wie ich in einer solchen Situation handeln wuerde. Bin erstaunt ueber mich.
Endlich im Krankenhaus angekommen legen wir Milagros auf einen Liegewagen und verfrachten sie eingenhaendig in Richtung OP-Saal. Kein Arzt gleich zur Stelle, keine Krankenschwester. Ein volles Wartezimmer, weinende Kinder. Bis dann endlich eine Aerztin fragt was passiert ist und uns in ein Behandlungszimmer schickt, wo ein Arzt gerade dabei ist einem Jungen eine Kopfverletzung zu naehen. Auch er fragt kurz was passiert ist und sagt uns dann, dass wir in der Apoteke gegenueber 3 Nadeln kaufen gehen sollen, damit er die Wunden naehen kann. In der Apotheke hatten sie allerdings nur noch 2 Nadeln. Ich habe diese beiden dann schnellstmoeglich zum Doktor gebracht und Jose-Luis ist nochmal losgerannt um die dritte aufzutreiben. Als er dann gluecklos wieder im Krankenhaus ankam hatte der Arzt schon die Wunden genaeht und Milagros ging es wieder besser. Sie fragt sogar nach ob wir ihr etwas zu essen und eine grosse Cola kaufen koennen. Wir koennen auch eine Erfrischung vertragen und so machen wir am Krankenhauskiosk ein kurzen Zwischenstopp. Auf dem Weg zurueck zum Zentrum “Las Flores” schlaeft Milagros. Endlich ein wenig stille und der wohlverdiente Feierabend ist auch nicht mehr weit.
Der Rest der Woche verlaeuft dann eher wie immer. Wir helfen den Kindern bei den Hausarbeiten, bzw. versuchen sie zu motivieren. Dann suchen wir die Uniformen und helfen den kleineren sich umzuziehen.
14.03.2007
Am Montag dieser Woche hatte die eine Erzieherin der Nachtschicht frei. Die andere ist nach einem Unfall in einem Bus seit ca. 3 Wochen krankgeschrieben. D.h. seit drei Wochen ist die Erzieherin der Nachtschicht alleine von 16h bis 8h (bezahlt wird die Nachtschicht nur von 16h-20h und von 5h-8h da sie ja angeblich die Nacht ueber “nur” schlafen) mit 24 Maedchen, muss deren Schuluniformen bereitlegen, das Abendbrot zubereiten und gleichzeitig darauf achten, dass keine der Maedchen unsinn macht.
Wie auch immer. An diesem Montag hatte die Nachtschicht frei und unser Koordinator wusste nicht wer die Nacht im Zentrum verbringen soll. Er selber war schon zuvor 2 Naechte und den Sonntag auf Arbeit gewesen und brauchte dringen eine Pause (was man ihm deutlich ansah). Aufopfernd wie ich nunmal bin
erklaerte ich mich bereit die Nachhtschicht zu uebernehmen. Jose-Luis (der Koordinator des Zentrums) meite, dass ein Mann nicht alleine mit den Maedchen sein sollte (wenn sie wuetend auf einen sind erfinden die Maedchen manchmal Stories, besonders Geschichten ueber sexuelle Belaestigung sind sehr beliebt. Also entschied er sich ab 23h wieder da zu sein, nachdem er ein Meeting mit der Direktorin des Zentrums beendet hatte.
Wie gesagt, nun lag es an mir, das Abendbrot zu machen, etc. Dabei wurde mir nicht nesagt, wer mit in der Kueche helfen sollte. Einige der Maedchen koennen sehr agressiv werden und in einer Kuech befinden sich immer irgendwelche Gegenstaende mit denen man stechen kann. Da ich aber ueber ein ausgepraegten Sinn habe um Menschen einzuschaetzen habe ich natuerlich die richtigen Personen gewahlt. Es gab Gebratene Bohnen mit Kaese und Tortillas! So haben wir zusammen gegessen, ich habe das deutsche Vaterunser gesprochen und alle waren happy. Fast alle der Maedchen sind sehr religioes und legen grossen wert auf das Gebet vor dem Essen.
Der Abend verlief ruhig, bis auf eine Kleinigkeit. In dem Zentrum haben wir immer mindestens eine bewaffnete Polizistin, die die das Zentrum bewachen und ab und zu auch fuer Ordung unter den Maedchen sorgen. An diesem Abend nutzten 4 Maedchen aus, dass ich ersten alleine war und zweitens, wie sie dachten, die Regeln nicht so gut kenne. Als ich eine Waschmaschiene mit Waesche anwerfen wollte sah ich 2 der vier in das Zimmer der Polizistin rennen. Normalerweise ist es den Maedchen nicht erlaubt in das Haus der Polizei zu gehen ohne eine Erzieherin (dort befinden sich immerhin scharfe Waffen und der respekt und die Hirarchie zur Polizei soll dadurch auch gewart werden). Als ich dann in das Zimmer komme sehe ich 4 Maedchen und die Polizistin auf dem Bett liegen und mit dem Handy spielen, als ob sie beste Freundinen waeren. Kurz ein Machtwort gesprochen und die Situation war fuers erste geklaert.
Als ich es dann endlich um 21.15 geschafft hatte alle Maedels im Bett zu haben habe ich mich auf die Treppe zu den Schlafraeumen gesetzt und der Nacht gelauscht. Bellende Hunde, Grillen, mal hier ein Knacken und mal dort ein Geraeusch. Trotzdem war alles in Bester Ordnung. Als ich dann aber gegenueber in dem Haus der Polizei das Licht ausgehen sehe und ich mit vor Augen hielt, dass es schon 2 mal vorgekommen ist, dass Diebe ueber die Mauern des Gelaendes geklettert sind, hatte ich schon ein mulmiges gefuehl. Nach einer Weile der Meditation und des Gebetes verflog dann dass Gefuehl und ich konnte mich bis 23h auf die unbequeme Coutch legen, die in dem Eingang der Schlafraeume steht. Jose-Luis hat mich dann aufgeweckt um mir mein richtiges Bett zu zeigen. Geschlafen habe ich diese Nacht nicht wirklich gut auch weil wir schon um 5h in der Frueh die die Maedchen aufwecken mussten. Um 7 h beginnt hier die Schule und um sich fertig zu machen, sich mit kaltem Wasser zu duschen, zu Fruehstucken und den steinigen Weg bis zur Schule zu gehen dauert locker 2 Stunden.
11.03.2007
Noch ist das Zentrum weit davon entfernt perfekt Organisiert zu sein. Die Erwartung eine perfekte Struktur zu schaffen haben wir erst garnicht mitgebracht. Zu gering sind die finanziellen Mittel die das Zentrum von mehreren nationalan und Internationalen Nichtregierungsorganisationen zur verfuehgung hat.
Unsere Arbeit besteht z.Zt. aber dennoch darin einen Zeit- und Taetigkeitsplan zu entwerfen, die Materialien die wir zur Verfuehgung haben zu Ordnen und dem Personal seine Aufgaben klar zuzuweisen, etc. Natuerlich sind nicht wir dafuer verantwortlich sondern der Koordinator und die Psychologin, doch sind wir mit die treibende Kraft. Anfangs haben wir uns gewundert, warum die anderen Erzieherinnen sich nicht so stark fuer eine bessere Organisation einsetzten. Bei einem so geringen Gehalt und dem Fehlen anderer Motivationsanreize ist dies aber kein so grosses Wunder.
Neben der Umstukturierung hat Claire vor 3 Wochen mit dem Unterricht von 5 Maedchen begonnen die nicht aus dem Zentrum heraus duerfen und somit nicht in die Schule gehen koennen. 4 Tage die Woche 4 Stunden am Tag gibt sie Unterricht in Mathematik, Spanisch, Geografie, und Gesellschaftskunde fuer die Klassen 1 bis 3. Eine andere Erzieherin Unterrichtet 5 Maedchen der Klassen 4 bis 5.
Meine Aufgaben bestehen bis jetzt darin Hausaufgaben mit den Maedchen zu machen (von 8.30h bis 10.00h), anschliessend deren Schuluniform zu suchen und zu finden (von 10.00h bis 11.00h), dann die Esstische vorzubereiten um dann um 11.30h die Maedchen zur Schule zu bringen. Da einige Maedchen morgens und andere nachmittags zur Schule gehen beginnt der gleiche Tagesablauf um 13.00h von Neuem. Um 16.30 haben wir meistens Schluss und fahren gemeinsam mit unseren Kollegen von der Tagesschicht nach Hause, bzw. zum naechsten Stand der Kollektivtaxis.
Wo wir arbeiten: “Centro Las Flores”
March 12, 2007 at 4:34 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Comments OffDas Zentrum “Las Flores” ist ein Internat fuer Maedchen zwischen 6 und 14 Jahren die auf der Strasse gelebt haben und/oder mit haeuslicher, oft auch sexueller Gewalt konfrontiert waren. Z.Zt. beherbergen wir dort 26 Maedchen die alle mit unterschiedlichen Problem konfrontiert waren und dementsprechend psychologische Schaeden genommen haben. Das Zentrum befindet sich im seudwesten der Stadt Tegucigalpa in einem Viertel, dass in vielerlei Hinsicht benachteiligt ist. Wir arbeiten dort zusammen mit einer Psychologin, einem Koordinator, einer Koechin, zwei Erzieherinnen fuer die Tagesschicht und zwei Erzieherinnen fuer die Nachtschicht. Die Erzieherinnen hier arbeiten 6 Tage die Woche fuer ein Gehalt von ungefaehr 2500 Lempiras (=105 Euro) und mit 2-3 Wochen Urlaub im Jahr. Ich bekomme immerhin 6000 Lempiras (=250 Euro) / Monat, also mehr als doppelt so viel.
Zum Vergleich: eine Busfahrt kostet 3 Lps, eine Fahrt im Kolektivtaxi 9,50 Lps, eine Mahlzeit in einem Restaurant der unteren Mittelklasse ca. 60 Lps, die Miete unserer Wohnung (ca. 35 m2 in einer Mittelklassegegend) belaeuft sich auf 1500 Lps. Letzte Woche haben wir uns ein kleines Glas Nutella gegoennt welches sage und schreibe 83 Lps gekostet hat (also genau soviel wie in Europa auch). Ein standard Nokia Handy inkl. Prepayedkarte ohne Guthaben kostet 700 Lps. Welche Erzieherin kann sich so etwas leisten. Zumal 3 der 5 Erzieherinnen in dem Zentrum alleinerziehende Muetter mit bis zu drei Kindern sind.
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