Honduras im Dezember (Vorweihnachtszeit)

January 14, 2008 at 2:33 am | In 2. Unsere Cooperation (Deutsch) | Leave a Comment

Der Dezember ist auch in Honduras von Weihnachtsstimmung gepraegt. In jedem Laden findet man Plastiktannenbaeume, Plastikschneemaenner, Plastikadvendskraenze, Lichterketten made in China, die laut Spiegelbericht bis zu 160 Grad heiss werden und deren Kabel zu viel Blei enthalten, und haufenweise anderer Kitsch, den eigentlich kein Mensch brauchen kann. In einigen grossen Kaufhaeusern findet man Santa Claus in seinem zeitlosen roten Nordpol-Outfit, schwitzend „hoooo hoooo hoooo“ rufen.

Trotz, oder vielleicht auch wegen all dem ist es etwas schwierig fuer uns, uns in Stimmung zu versetzen. Gluecklicherweise haben wir uns schon seit einiger Zeit in eine sehr nette Katolische Gemeinde integriert, bei deren Samstagsmesse um 7 Uhr Abends dann doch von Dingen wie Advend, die wirkliche Bedeutung von Weihnachten, etc. gesprochen wird.

Da es nach der Messe schon dunkel ist und meisst auch etwas kuehl wird vor der Kirche heisser Zitronengrass-Tee serviert, in dem ein spezielles Gebaeck schwimmt. Die Leute stehen dann in kleinen Gruppen und unterhalten sich. Die vier Nonnen, die im zur Kirche gehoerigenden Kloster leben begruessen die Kirchgaenger und reden ueber anstehende Projekte mit Jugendlichen und Kindern.

In dem Kloster sind wir seid einiger Zeit regelmaessige Gaeste, die ueber Nacht bleiben, zu Mittag essen und bis spaet in am Abend mit den Nonnen dikutieren. Da die Gegend der Gemeinde relativ „gefaehrlich“ ist, koenne wir theoretisch nach der Messe nicht mehr nach Hause fahren. Woanders zu schlafen ist fuer uns eine nette Abwechslung und die Nonnen freuen sich ueber die Gesellschaft von einem verheirateten Paerchen, die darueberhinaus auch noch „katholische Missionaere“ und Voluntaere sind und mit Kindern arbeiten. Wir haben viel zu bereden, denn auch Nonnen koennen ein sehr interessantes Leben haben.

Strassenbibliothek am Sonntagmorgen

Am naechsten Tag im Barrio Nueva Suyapa (wo wir uebernachtet haben) im Osten der Stadt treffen wir uns dann mit einer Gruppe junger Leute die die „Bewegung ATD Vierte Welt“ formen. In drei kleine Gruppen aufgeteilt gehen sie jeden Sonntagmorgen seit ca. 10 Jahren in 3 der aermsten Viertel Tegucigalpas um dort mit den Kindern und Jugendlichen Geschichten zu lesen, Gruppenspiele zu spielen oder zu basteln. Viele der Kinder dort gehen weder zur Schule noch koennen ihnen ihre Eltern etwas beibringen oder mit ihnen spielen. Die Gruende dafeur liegen meisst in der sozio-oekonomischen Lage in der die Familien leben.

Das bemerkenswerte ist, dass 95 % der Mitglieder von „ATD Vierte Welt“ selbst aus sehr armen Verhaeltnissen stammen, in den selben Vierteln leben, in die wir am Sonntagmorgen gehen und erst durch deren eigene Hilfe der extremen Armut entkommen konnten. Wir sind mittlerweise fester Bestandteil dieser Gruppe und fuehlen uns sehr wohl.

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